...na, wartet ihr schon? Dann machen wir mal weiter...

Also die Sache mit dem neuen Port war wirklich ziemlich heftig, deshalb schreibe ich das hier auch noch einmal auf. Wie gesagt Dr. Tajrobehkar hat ziemlich Dampf gemacht damit ich einen neuen Port bekomme so hatte ich dann auch gleich in der nächsten Woche einen OP Termin. Das ganze fing schon damit an das ich auf der Station ankam, ich sollte extra zeitig da sein, und dann fast zwei Stunden auf dem Flur gesessen und auf ein Bett gewartet habe.

Als ich dann endlich einen Platz und einen wunderschönen OP Kittel angelegt hatte gings runter in den OP. Was soll ich euch sagen, dieses mal hatte ich beschlossen ein Weichei zu sein und die Portanlage unter Narkose machen zu lassen. Wie sich später herausstellen sollte war das auch gut so. Dieses mal also keine Witze im OP, jedenfalls nicht von mir, und irgendwann wieder auf dem Zimmer aufgewacht, oder im Aufwachzimmer und dann auf Station, ich weiß es nicht mehr so genau. Was ich aber noch ganz genau weiß ist das kaum das ich wieder bei mir war ein Oberarzt kam um mir zu sagen das ich noch keinen neuen Port habe. Hoppla was war denn das? Die Ärzte hätten alles versucht, kamen auch in das gewünschte Gefäß konnten aber nicht weit genug hinein, ganz egal was sie auch versucht hatten. Also OP ergebnislos abgebrochen. Wie ich im Nachhinein erfahren habe müssen wohl alle im OP ziemlich verzweifelt gewesen sein als es nicht klappte. Eine Freundin einer Cousine war mit im OP.

Was nun? Später kam dann der Chef des Hauses, Dr. Haselow, zu mir um mich etwas zu beruhigen und mir zu sagen noch überlegt wird was gemacht werden soll, ob es einen weiteren Versuch hier im Haus geben soll oder ob ich nicht vielleicht in die Gefäßchirurgie nach Aachen gebracht werde. Nach einigem hin und her wurde entschieden am Montag morgen einen neuen Versuch zu starten. Die Entscheidung hierüber, das nochmals in Geilenkirchen versuchen zu lassen lag bei mir und ich habe mich dafür entschieden. Warum? Ja, warum? Das kann ich eigentlich ganz leicht beantworten. Ich habe mich vom allerersten Tag und auch bei meinen weiteren zahlreichen Aufenthalte dort, gut aufgehoben und gut versorgt gefühlt. Ich glaube das dort viele gute und kompetente Ärzte, Schwestern und weiteres Pflegepersonal arbeiten. Ich habe bei all meinen Fragen und Sorgen immer einen Ansprechpartner gefunden und wenn ich den Chef sprechen wollte fand sich tatsächlich immer irgendwie die Zeit dafür. Ich denke ich bin ein recht pflegeleichter und ruhiger Patient aber manchmal muss man auch einfach mal den Mund aufmachen wenn etwas nicht stimmt oder man das Gefühl hat hier läuft irgendetwas falsch. Aber es heißt nicht umsonst, wie man in den Wald hineinruft so kommt es auch wieder heraus. Ich habe während all meiner Zeit dort nicht ein einziges mal erlebt das jemand unfreundlich gewesen wäre. Auf allen Stationen habe ich durchweg nur freundliches und entgegen kommendes Pflegepersonal kennen gelernt. Das muss ich hier einfach mal loswerden. Und ich habe gesehen wie viel Stress manchmal auf den Stationen herrscht. Auch heute wenn ich zur Blutkontrolle oder zur Chemo dort bin, kann ich nicht durch das Haus gehen ohne irgendwo mal stehen zu bleiben und ein wenig zu plaudern. Irgendwen kennt man immer oder ich werde von irgendwem angesprochen. Das verleiht einem doch ein recht gutes Gefühl, ich bin dort halt nicht nur irgend eine Patienten oder Akten Nummer wie in manchen großen Häusern. Ich weiß nicht wann ich wieder in Geilenkirchen bin, aber wenn das jemand liest der dort ist oder hin muss, so darf er das gerne weitergeben.

Aber weiter, nachdem für Montag eine neue OP angesetzt war, es war mittlerweile Freitag, bin ich dann übers WE nach Hause. Mein Zimmer hatte ich während der Zeit gehalten, ein Einzelzimmer, ganz schnuckelig. Sonntagabend dann wieder zurück ins Krankenhaus, um 20:00 Uhr das letzte mal was gegessen, in der Nacht vor lauter Nervosität fast nicht geschlafen. Und dann sitze ich Montag in meinem Zimmer und warte darauf in den OP gebracht zu werden und nichts geschieht. Und es geschieht noch immer nichts und die Schwestern wissen auch nichts, also weiter warten. Irgendwann gegen 11:00 Uhr kommt dann ein Oberarzt und sagt mir die OP wäre abgesagt. ??? Was soll denn das bitte schön? Ich solle bitte meine Sachen zusammen packen unten steht schon ein Wagen bereit, ich werde gleich ins Luisenhospital nach Aachen verlegt, in die dortige Gefäßchirurgie. Ich bin dort bereits angemeldet und werde zur Portanlage erwartet.     Dr. Haselow der die erneute Portanlage selbst durchführen wollte hat beschlossen das die Kollegen in Aachen das wahrscheinlich besser hinbekommen würden, sie hätten in der Gefäßchirurgie mehr Möglichkeiten und andere Gerätschaften zur Verfügung stehen. Er würde das wohl auch hinbekommen, möchte den Kollegen ich Aachen aber keine Möglichkeiten verbauen wenn es doch wieder nicht klappen sollte. Ich weiß nicht was ihr darüber denkt, aber mir hat es doch das Vertrauen in Geilenkirchen und auch in seine Ärzte gestärkt. Ich habe Respekt davor wenn der Chef eines Hauses sagt ich kann das, aber da sind Spezialisten die machen das wahrscheinlich besser. So sollte es doch eigentlich auch sein. Hier ist kein Arzt der den Halbgott in Weiß spielt oder sich profilieren will. Nein, hier hat ein sehr kompetenter Mensch zu Gunsten und zum Besten des Patienten entschieden. Danke sehr.

Aber die Odyssee ist noch nicht vorbei, jetzt geht's erst los. Ich also mit dem Krankentransport nach Aachen, dort angekommen stehe ich mit meinem Gepäck und niemand weiß etwas von mir. Na, toll. Nach einigen Telefonaten bin ich dann erst mal in die Gefäßchirurgie, hier dasselbe Spiel, keiner weiß Bescheid. Immerhin konnte ich mein Gepäck hier abstellen, bekam einen Kaffeebon für einen gratis Kaffee und ein Stück Kuchen und das Versprechen das man sich kümmern würde und ich einen Termin beim Oberarzt bekäme, so in ca. 2 Stunden. Irgendwann hat aber auch der geduldigste Patient mal die Nase voll und ich auch. Ich hab dann mal in Geilenkirchen angerufen und nachgefragt was das ganze soll. Wieso ich nach Aachen gebracht werde und dort niemand Bescheid weiß. Ich bekam dann durch einen glücklichen Zufall Bianca an das Telefon, die Ärztin meines Vertrauens in Geilenkirchen. Wir haben uns immer gut Unterhalten und ich konnte sie jederzeit ansprechen und fand ein offenes Ohr. Wenn sie abends Feierabend gemacht hat kam sie oft noch mal zu mir um einfach kurz hallo zu sagen. Bianca, bitte nicht böse sein, aber ich habe deinen Nachnamen einfach nicht mehr in meinem Kopf. Aber ihr Holländer sagt ja auch immer du. Ok, sie sagte mir dann die Unterlagen wären schon am Freitag nachmittag nach Aachen gegangen und sie hätte mich dort selbst angemeldet. Ich sollte wieder rauf  in die Gefäßchirurgie gehen sie würde derweil einmal telefonieren. ich wieder rauf und siehe da, meine Papiere waren da. Seltsam. Hatte dann sofort einen Termin beim Arzt der mir auch direkt versicherte die Portanlage wäre kein Problem, er würde die Naht der letzten Woche noch einmal öffnen und das Gefäß wäre auch noch prima zu gebrauchen, aber...zwei Dinge stünden dem noch im Weg. Erstens hätte er keinen freien OP Termin und zweitens auch kein Bett für mich. OP Termin bekam ich dann für den nächsten Tag nachdem er in meinem Beisein einen Patienten aus dem OP Plan nahm und ein oder zwei Tage später gesetzt hat. danke lieber Unbekannter. Aber das Bettenproblem ließ sich nicht so einfach lösen. Ich könnte bleiben, auf einem 7 Bett Zimmer, ja richtig gelesen 7. Ne, das ging gar nicht. Also ab nach Hause und am nächsten morgen wieder nach Aachen. Da ging dann alles ganz reibungslos von statten. Der Port wurde gelegt, hat wunderbar geklappt und anschließend bekam ich noch Kaffee und belegte Brötchen bis ich dann nach Hause durfte. Was ich nicht vergessen möchte zu erwähnen ist das Dr. Tajrobehkar während dieser ganzen Zeit laufend mit Dr. Haselow in Verbindung stand um die Portanlage voran zu treiben. Er war recht unglücklich über jeden Tag den wir verloren haben. Aber zwei Tage darauf, am Donnerstag wurde ich bereits wieder angestochen und die Chemo begann aufs neue. Neues Medikament, diesmal mit Nebenwirkungen, aber davon ein anderes mal.

bevor ich für den Moment Schluss mache mit Schreiben möchte ich noch einigen Menschen danken. Ihr sollt wissen das ihr mir sehr wichtig seid und ich sehr zu schätzen weiß was ihr für mich und meine Familie getan habt und tut.

Bei wem fange ich an? Ich glaube bei dir liebe Tonia Schophoven. Ich bin ganz fest davon überzeugt das du als meine Hausärztin ganz wesentlich dazu beigetragen hast das ich heute hier sitzen kann und die Möglichkeit habe diese Zeilen zu schreiben. Deiner Beharrlichkeit und deinem Engagement habe ich zu verdanken das, ja, das ich noch da bin. Wenn du mir nicht diesen schnellen Untersuchungstermin verschafft hättest, ich kenne mich genau, dann hätte ich es ein paar Tage ruhiger angehen lassen und hätte dann die Spiegelungen vielleicht im August oder im Herbst oder erst einmal gar nicht machen lassen. Ich hatte ja keine weiteren Beschwerden. Als nächstes möchte ich meine Geschwister nennen. Wer es nicht weiß, ich hab einen ganzen Sack voll davon, nämlich acht Stück. Als die erfahren haben was los war und das ich nicht mehr arbeiten kann, also auch kein Einkommen mehr habe, haben die sich still schweigend zusammen gesetzt und gemeinsam überlegt wie sie uns helfen können. Als es dann tatsächlich soweit war das wir akut Hilfe brauchten, haben sie geholfen. In einer Art und Weise die ich nicht erwartet hätte und die ich auch nicht gut machen kann. Ich weiß wenn es hart auf hart kommt könne wir uns auf euch verlassen. Danke. Das meine Eltern immer hinter uns standen und stehen, das brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Kind bleibt Kind, egal wie alt man ist. Ich weiß das ihr euch sehr große Sorgen macht, aber wir schaffen das schon. Da wären dann als nächstes meine Schwiegereltern. Die beiden haben ebenfalls ein ganz besonderes Danke schön verdient. Sie waren und sind zu jederzeit für uns da und helfen ebenfalls wo sie nur können. Besonders du, lieber Herbert, wenn du nicht soviel Zeit und Energie hier hereinstecken würdest, dann würde es hier ganz anders aussehen. Aber ich habe vor ab sofort zu versuchen mehr zu tun. Scheiß auf die Krankheit und scheiß auf die Chemo. (Hoffentlich ließt Dr. Tajrobehkar das nicht).

Den größten Dank aber verdient meine Frau. Sie steht immer an meiner Seite, egal was kommt, egal was geschieht und versucht mir das Leben mit dieser verdammten Krankheit so leicht und angenehm wie möglich zu machen. Dabei hat sie es wirklich nicht leicht. Haushalt, Kinder, Job gewechselt und mehr Stunden damit wir über die Runden kommen und ein Mann dem man oft nichts recht machen kann. Dir kann ich gar nicht genug danken dafür das du da bist. Du nimmst mir wirklich alle Sachen ab die du schaffen kannst und kommst oftmals viel zu kurz. Nach diesen ganzen Monaten hat sich doch eine gewisse Routine entwickelt, was nicht unbedingt das Beste ist und es fallen auch schon einmal Worte die nicht nötig sind. Du weißt ich bin kein Freund großer Worte aber ich denke das sich einiges ändern wird. Vor einigen Wochen hatte ich mal das Gefühl das die Krankheit mich besiegen könnte und ich euch mehr und mehr zur Last werde. Heute weiß ich das das vollkommener Blödsinn ist. Ich selber habe mich gefragt ob es nicht besser wäre wenn es mal zu Ende wäre und ihr neu anfangen könntet, ob das auf Dauer nicht einfacher und besser wäre. ja, vielleicht wäre es das. Aber jetzt noch nicht. Es tut mir Leid solche Gedanken überhaupt gehabt zu haben und selbst wenn morgen die CT Ergebnisse nicht so sind wie wir uns das erhoffen. Ich habe ganz am Anfang meiner Erkrankung gesagt ich würde dem Krebs mit Anlauf in den Arsch treten. dann nehm ich halt noch ein wenig mehr Anlauf und trete noch ein wenig fester zu. Als ich jetzt auf Koh Samui war hatte ich viel Gelegenheit nachzudenken. dabei kam eigentlich nur eins heraus, ihr habt mir gefehlt und ich will noch eine ganze Weile mit euch durchs Leben gehen. Wie in Gute so auch in schlechten Zeiten...das haben wir uns doch mal so versprochen. Auch wenn ich mich da nicht immer daran gehalten habe oder das vielleicht auch schon mal vergessen habe, wir haben doch schon soviel gemeinsam durchgestanden und es war weiß Gott nicht immer einfach,...aber dann schaffen wir das doch wohl auch zusammen. Und wie ich immer so gerne sage möchte ich schon noch den ein oder anderen Freund unserer Töchter unter die Lupe nehmen und wenn es sein muss auch hinauswerfen. Außerdem haben wir uns für 2014 sooooo viiieeel vorgenommen, wo wir hin wollen und was wir zu Hause schaffen wollen, das geht jetzt erst mal vor.

Ganz besonders stolz bin ich auch auf Hanna und Lisa. Die wunderbarsten Töchter der Welt. Über eine pubertierende dreizehnjährige muss ich euch nichts sagen. das geht natürlich auch schon mal an unsere Grenzen, sogar schon mal öfters. Aber irgendwer hat mir gesagt das geht vorbei, also sitzen wir das aus. Alle beide haben nach dem anfänglichen Schock richtig gut gelernt mit der Situation umzugehen. Ich habe aber auch von Anfang an nicht hinter dem Berg damit gehalten wie krank ich bin und wie das ganze enden kann. Aber die beiden machen das richtig gut und wenn ich sie auch manchmal verschenken möchte wollte ich sie doch sofort wieder haben.

Und dann gibt es da noch eine ganze Reihe von Freunden, Verwandten und Bekannten denen ich auch einmal Danke sagen möchte. Ich habe das ganz große Glück das sich von den Menschen die mir wichtig sind zurück gezogen oder den Kontakt abgebrochen hat. Ganz im Gegenteil, wenn ich mal nicht ganz so gut drauf bin, bauen die mich wieder auf.

So, sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen irgendwo eine Dankesrede halten zu müssen werden sie mich wohl von der Bühne tragen weil ich zu weit aushole. Aber das war wichtig und ich habe mich schon auf das wesentliche Beschränkt. Jetzt muss ich aber mal was produktives zu Hause tun...genießt alle das schöne frühlingshafte Wetter und seit versichert,...das geht vorbei, der Winter kommt ganz bestimmt noch...leider.

1 Kommentar 7.1.14 14:47

 

 

12.2.14 12:40

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